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Firma gründen in der Schweiz: Der komplette Leitfaden 2026

Firma gründen Schweiz: Rechtsform, Anmeldung, Kosten und Ablauf Schritt für Schritt — von der Idee bis zur ersten Rechnung, mit Checkliste für 2026.

Die wichtigsten Fakten

Häufigste Rechtsformen
Einzelfirma und GmbH
Einzelfirma gründen
kein Mindestkapital, Anmeldung bei der Ausgleichskasse
GmbH gründen
CHF 20'000 Stammkapital, Notar und Handelsregister
Handelsregister-Pflicht Einzelfirma
ab CHF 100'000 Jahresumsatz
MWST-Pflicht
ab CHF 100'000 weltweitem Jahresumsatz
Typische Dauer
Einzelfirma wenige Tage, GmbH 2 bis 4 Wochen

Eine Firma gründen in der Schweiz ist einfacher, als viele denken: Für eine Einzelfirma brauchst du kein Mindestkapital und keinen Notar — du meldest dich bei der Ausgleichskasse als selbständigerwerbend an und kannst loslegen. Für eine GmbH brauchst du CHF 20'000 Stammkapital, eine öffentliche Beurkundung beim Notar und den Eintrag ins Handelsregister. Die Einzelfirma steht in wenigen Tagen, die GmbH dauert typischerweise zwei bis vier Wochen.

Dieser Leitfaden führt dich durch den gesamten Ablauf: Rechtsform wählen, Namen prüfen, formal gründen, Anmeldungen erledigen und die Geschäftsinfrastruktur aufsetzen. Er verlinkt an jeder Station auf den passenden Detail-Ratgeber, damit du genau dort tiefer einsteigen kannst, wo es für dich relevant wird.

Der Ablauf im Überblick

SchrittWas passiertDauerRatgeber
1. Rechtsform wählenEinzelfirma, GmbH oder AG1 EntscheidungEinzelfirma oder GmbH
2. Namen prüfenVerfügbarkeit auf Zefix, Firmenrecht beachten1 Stundesiehe unten
3. Formal gründenEinzelfirma: starten; GmbH: Notar + HandelsregisterTage bis WochenGmbH gründen
4. AnmeldungenAHV/Ausgleichskasse, evtl. MWST, Versicherungen1 bis 2 WochenSelbständigkeit anmelden
5. InfrastrukturGeschäftskonto, Rechnungs- und Buchhaltungs-Setup1 bis 2 Tagesiehe unten

Schritt 1: Rechtsform wählen

Über 90 Prozent der kleinen Gründungen in der Schweiz laufen auf eine von zwei Formen hinaus: Einzelfirma oder GmbH. Die AG mit CHF 100'000 Aktienkapital ist für Solo-Gründer und kleine Teams selten der richtige Einstieg.

Die Kurzfassung der Entscheidung:

  • Einzelfirma, wenn du allein startest, wenig Kapital binden willst und dein Haftungsrisiko überschaubar ist. Du haftest mit deinem Privatvermögen, startest dafür praktisch ohne Formalitäten. Der komplette Ablauf steht im Ratgeber Einzelfirma gründen in der Schweiz.
  • GmbH, wenn du Haftung begrenzen willst, mit Partnern gründest oder von Anfang an eine klare Trennung zwischen privat und geschäftlich brauchst. Dafür investierst du CHF 20'000 Stammkapital und mehr Administration. Alle Schritte findest du unter GmbH gründen in der Schweiz.

Wenn du zwischen beiden schwankst, nimm dir zehn Minuten für den direkten Vergleich Einzelfirma oder GmbH — er behandelt Haftung, Steuern, Sozialversicherungen und die spätere Umwandlung im Detail.

Schritt 2: Firmennamen prüfen und festlegen

Bevor du Visitenkarten druckst oder eine Domain kaufst: Prüfe deinen Wunschnamen im Zefix, dem zentralen Firmenindex des Bundes. Dort siehst du, ob der Name bereits vergeben oder verwechselbar ähnlich ist.

Dabei gelten je nach Rechtsform unterschiedliche Regeln:

  • Einzelfirma: Der Firmenname muss deinen Familiennamen enthalten. Fantasie- oder Sachbezeichnungen sind nur als Zusatz erlaubt — «Müller Webdesign» geht, «Pixelwerk» allein nicht.
  • GmbH: Du bist frei in der Namenswahl (Fantasienamen erlaubt), musst aber den Zusatz «GmbH» führen, und der Name darf nicht täuschen oder mit bestehenden Firmen kollidieren.

Prüfe im gleichen Zug die Domain und die wichtigsten Social-Media-Handles. Ein Name, der im Handelsregister frei ist, aber online komplett besetzt, kostet dich später Sichtbarkeit.

Schritt 3: Die Gründung formal vollziehen

Einzelfirma: starten und anmelden

Die Einzelfirma entsteht nicht durch einen Registerakt, sondern durch die Aufnahme deiner selbständigen Tätigkeit. Die zwei relevanten Behördenkontakte:

  1. Ausgleichskasse (SVA): Du meldest dich als selbständigerwerbend an. Die Kasse prüft anhand von Belegen wie Offerten, Rechnungen und Verträgen, ob du sozialversicherungsrechtlich wirklich selbständig bist. Wie das genau abläuft und welche Kriterien gelten, steht in Selbständigkeit anmelden in der Schweiz.
  2. Handelsregister: Erst ab CHF 100'000 Jahresumsatz Pflicht, darunter freiwillig. Die Details zur Schwelle, zu den Kosten und zum sinnvollen Zeitpunkt behandelt Einzelfirma und Handelsregister.

GmbH: Kapital, Notar, Handelsregister

Die GmbH entsteht erst mit dem Eintrag ins Handelsregister. Vorher durchläufst du diese Stationen:

  1. Statuten und Gründungsdokumente vorbereiten
  2. Stammkapital von CHF 20'000 auf ein Kapitaleinzahlungskonto (Sperrkonto) einzahlen — es muss voll einbezahlt sein
  3. Gründung öffentlich beurkunden lassen (Notartermin)
  4. Anmeldung beim kantonalen Handelsregisteramt
  5. Nach der Eintragung: Sperrkonto auflösen, Kapital aufs Geschäftskonto übertragen

Was das kostet — Notar, Register, Nebenkosten — rechnet der Ratgeber GmbH gründen: Kosten Position für Position durch.

Praktischer Tipp: Über EasyGov, den Online-Schalter des Bundes, kannst du viele Gründungsschritte digital anstossen — von der Handelsregisteranmeldung bis zur Anmeldung bei Sozialversicherungen.

Schritt 4: Anmeldungen und Versicherungen

Nach der formalen Gründung folgen die Anmeldungen, die viele Gründer unterschätzen:

AHV/IV/EO: Als Einzelfirma-Inhaber zahlst du als Selbständigerwerbender maximal 10 Prozent AHV/IV/EO-Beiträge auf dein Einkommen, mit sinkender Skala bei tieferen Einkommen. Als GmbH-Geschäftsführer bist du dagegen Angestellter deiner eigenen Gesellschaft und rechnest über die Lohnbuchhaltung ab.

MWST: Die Mehrwertsteuerpflicht beginnt ab CHF 100'000 weltweitem Jahresumsatz — unabhängig von der Rechtsform. Seit dem 1. Januar 2025 läuft die MWST-Abrechnung ausschliesslich online über das ePortal der ESTV. Wann und wie du dich anmeldest, erklärt MWST-Anmeldung in der Schweiz, die Grundlagen für Selbständige stehen in MWST für Selbstständige.

Weitere Versicherungen je nach Situation:

  • Unfallversicherung (für Selbständige freiwillig, für Angestellte Pflicht)
  • Krankentaggeld — für viele Selbständige die wichtigste freiwillige Absicherung
  • Berufliche Vorsorge (BVG): für Selbständige freiwillig, für angestellte GmbH-Geschäftsführer ab der Eintrittsschwelle obligatorisch
  • Betriebshaftpflicht je nach Branche

Schritt 5: Geschäftsinfrastruktur aufsetzen

Die Gründung ist erst dann wirklich abgeschlossen, wenn du Rechnungen stellen, Zahlungen empfangen und Belege sauber ablegen kannst. Drei Dinge gehören in der ersten Woche eingerichtet:

  1. Geschäftskonto: Auch als Einzelfirma solltest du privat und geschäftlich strikt trennen — spätestens bei der Steuererklärung zahlt sich das aus. Die Optionen vergleicht unsere Übersicht Geschäftskonten für Freelancer.
  2. Rechnungsstellung: In der Schweiz heisst das QR-Rechnung, Pflichtangaben und saubere Nummerierung. Wie eine korrekte Rechnung aussieht, zeigt Rechnung schreiben in der Schweiz; passende Tools findest du in der Rechnungssoftware-Bestenliste.
  3. Buchhaltung: Als Einzelfirma unter CHF 500'000 Umsatz reicht eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, die GmbH braucht von Anfang an doppelte Buchhaltung. Tools dafür vergleicht die Liste Buchhaltungssoftware für Freiberufler.

Was kostet die Gründung insgesamt?

Die formalen Kosten unterscheiden sich stark nach Rechtsform:

PositionEinzelfirmaGmbH
MindestkapitalkeinesCHF 20'000 (bleibt Gesellschaftsvermögen)
Notarnicht nötigje nach Kanton meist CHF 700 bis 2'000
Handelsregisterfreiwillig, ab rund CHF 120Pflicht, rund CHF 400 bis 600
Typische GesamtgebührenCHF 0 bis 300rund CHF 1'000 bis 3'000

Dazu kommen bei beiden Formen die realen Startkosten: Software, Konto, Versicherungen, Website, Marketing. Eine ausführliche Aufstellung über alle Rechtsformen inklusive AG findest du in Firma gründen: Alle Kosten im Überblick, die GmbH-spezifische Detailrechnung in GmbH gründen: Kosten.

Wenig Startkapital ist übrigens kein Ausschlusskriterium: Wie du mit einer Einzelfirma praktisch ohne Eigenkapital startest, zeigt Selbstständig werden ohne Eigenkapital.

Sonderfälle: nebenberuflich starten oder ohne Kapital

Nicht jede Gründung ist ein Vollzeit-Sprung. Zwei Szenarien sind in der Schweiz besonders verbreitet:

  • Nebenberuflich gründen: Du behältst deine Anstellung und baust das Geschäft daneben auf. Das reduziert dein Risiko massiv, bringt aber eigene Regeln bei AHV, Steuern und gegenüber dem Arbeitgeber mit sich. Alles dazu in Nebenberuflich selbständig in der Schweiz.
  • Ohne Eigenkapital gründen: Dienstleistungsgeschäfte brauchen oft kaum Startkapital. Mit der Einzelfirma, schlanken Tools und vorsichtiger Fixkostenplanung geht der Start auch ohne Erspartes — der Weg dorthin steht in Selbstständig werden ohne Eigenkapital.

Für den kompletten Weg vom Angestellten zur anerkannten Selbständigkeit — inklusive Ausgleichskasse, Versicherungen und erster Kundengewinnung — lies Selbständig machen in der Schweiz.

Die komplette Gründungs-Checkliste

Zum Abhaken, in sinnvoller Reihenfolge:

Vor der Gründung

  • Geschäftsmodell und erste Kunden validiert (idealerweise vor jeder Formalität)
  • Rechtsform entschieden — im Zweifel mit dem Rechtsform-Vergleich
  • Firmennamen im Zefix geprüft, Domain gesichert
  • Budget für Gründung und erste 6 Monate aufgestellt

Gründung

  • Einzelfirma: Tätigkeit aufgenommen, Anmeldung bei der Ausgleichskasse eingereicht
  • GmbH: Kapital einbezahlt, Notartermin absolviert, Handelsregistereintrag erfolgt
  • Falls nötig oder gewünscht: Handelsregistereintrag der Einzelfirma

Nach der Gründung

  • AHV-Status geklärt (Anerkennung als selbständigerwerbend bzw. Lohnabrechnung als GmbH)
  • MWST-Pflicht geprüft, falls absehbar über CHF 100'000: Anmeldung erledigt
  • Versicherungen abgeschlossen (Unfall, Krankentaggeld, Haftpflicht nach Bedarf)
  • Geschäftskonto eröffnet
  • Rechnungs- und Buchhaltungssoftware eingerichtet
  • Erste Rechnung korrekt gestellt — mit allen Pflichtangaben

Gründen als ausländische Staatsangehörige

Auch ohne Schweizer Pass kannst du in der Schweiz gründen — die Hürden hängen vom Status ab:

  • Niederlassungsbewilligung C: freie Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit, gleiche Regeln wie für Schweizerinnen.
  • EU/EFTA-Staatsangehörige (Bewilligung B): können sich selbständig machen, müssen die Selbständigkeit aber gegenüber den Behörden nachweisen.
  • Drittstaaten: Selbständigkeit erfordert eine Bewilligung, die an volkswirtschaftliches Interesse und weitere Bedingungen geknüpft ist — kläre das zwingend vor jedem Gründungsschritt mit dem kantonalen Migrationsamt.

Für die GmbH gilt unabhängig von der Nationalität der Gründer: Mindestens eine zeichnungsberechtigte Person braucht Wohnsitz in der Schweiz.

Die häufigsten Fehler beim Gründen

  1. Zu früh formalisieren: Wer zuerst GmbH, Logo und Website baut und erst dann Kunden sucht, verbrennt Kapital. Validierung kommt vor Formalisierung.
  2. Zu spät anmelden: Die AHV-Anmeldung und die MWST-Prüfung werden gerne aufgeschoben — Nachzahlungen und Verzugszinsen sind die Quittung.
  3. Privat und geschäftlich vermischen: Ohne separates Konto wird jede Steuererklärung zur Archäologie.
  4. Buchhaltung improvisieren: Excel funktioniert drei Monate, danach kostet das Aufräumen mehr als jede Software.
  5. Rechtsform aus Prestige wählen: Eine GmbH macht dich nicht professioneller — saubere Arbeit tut es. Wähle die Form, die zu Risiko und Kapital deiner nächsten zwei bis drei Jahre passt, und wechsle später, wenn das Geschäft es verlangt.

Werkzeuge für den Start

Sobald die Gründung steht, entscheidet dein Setup über den Alltag: Rechnungen, Buchhaltung und Banking sollten vom ersten Kunden an sauber laufen. Vergleiche dafür die beste Rechnungssoftware der Schweiz, die Buchhaltungssoftware für Freiberufler und die Geschäftskonten für Freelancer — alle nach unserer Methodik bewertet.

Häufige Fragen