Lexikon

Kassenbuch

Kurz erklärt

Ein Kassenbuch ist die chronologische Aufzeichnung aller Bareinnahmen und Barausgaben eines Unternehmens. Jeder Eintrag enthält Datum, Beleg-Nummer, Text, Betrag und den fortlaufenden Kassensaldo; der Buchsaldo muss jederzeit mit dem tatsächlichen Bargeldbestand übereinstimmen. Wer regelmässig Bargeld einnimmt, kommt in der Schweiz um ein sauber geführtes Kassenbuch nicht herum.

Was ist ein Kassenbuch?

Das Kassenbuch dokumentiert jede Barbewegung deines Geschäfts: Verkäufe gegen Bargeld, Barentnahmen, Bareinlagen, bar bezahlte Einkäufe. Es ist das Bargeld-Pendant zum Bankauszug — nur dass es keine Bank gibt, die für dich mitschreibt. Deshalb gilt die Grundregel: Buchsaldo = Bargeldbestand, jederzeit. Wer die Kasse zählt, muss auf den Rappen genau beim Saldo des Kassenbuchs landen.

Nötig ist das Kassenbuch überall dort, wo regelmässig Bargeld fliesst: Gastronomie, Detailhandel, Coiffeursalons, Marktstände, Kurse mit Barzahlung. Ein Freelancer, der alles über das Bankkonto abwickelt und zweimal im Jahr eine Barauslage hat, braucht kein formelles Kassenbuch — wohl aber Quittungen für diese Einzelfälle.

Kassenbuch Vorlage

Diese Spalten haben sich bewährt — du kannst die Tabelle direkt als Vorlage übernehmen:

DatumBeleg-Nr.TextEinnahmeAusgabeSaldo
01.07.2026AnfangsbestandCHF 500.00
01.07.2026K-101Tageseinnahmen MarktstandCHF 830.00CHF 1'330.00
02.07.2026K-102Verpackungsmaterial MigrosCHF 42.50CHF 1'287.50
02.07.2026K-103Standgebühr bar bezahltCHF 80.00CHF 1'207.50
03.07.2026K-104Einzahlung auf BankkontoCHF 1'000.00CHF 207.50

Pflichtbestandteile jedes Eintrags:

  • Datum der Barbewegung (chronologisch, keine Lücken)
  • Belegnummer — jeder Eintrag verweist auf eine Quittung, einen Kassenbon oder Tagesabschluss (Z-Bericht der Kasse)
  • Buchungstext, der den Vorgang verständlich macht
  • Betrag als Einnahme oder Ausgabe, bei MWST-Pflicht mit Steuersatz
  • Fortlaufender Saldo — er darf nie negativ sein: Eine Kasse mit minus CHF 200 ist physisch unmöglich und für jeden Prüfer ein rotes Tuch

Das Kassenbuch in der Praxis

Beispiel Marktstand: Du verkaufst samstags Käse auf dem Wochenmarkt. Anfangsbestand im Portemonnaie-Kässeli: CHF 500 Wechselgeld. Am Abend zählst du CHF 1'330 — also trägst du CHF 830 Tageseinnahmen mit einem Tagesabschluss-Beleg ein. Unter der Woche zahlst du Verpackung (CHF 42.50) und Standgebühr (CHF 80) bar und legst die Bons ab. Den Überschuss von CHF 1'000 zahlst du aufs Geschäftskonto ein — auch das ist ein Kassenbuch-Eintrag (Ausgabe in der Kasse, Eingang auf der Bank).

Wichtig ist die zeitnahe Erfassung: Bareinnahmen täglich, spätestens am Folgetag. Ein Kassenbuch, das Ende Monat «aus dem Gedächtnis» nachgeführt wird, verliert seine Beweiskraft — bei einer MWST-Kontrolle kann die ESTV die Umsätze dann ermessensweise aufrechnen. Gerade bei bargeldintensiven Betrieben führt ein unglaubwürdiges Kassenbuch schnell zu Aufrechnungen von mehreren tausend Franken.

Das Kassenbuch ergänzt deine übrige Buchhaltung, es ersetzt sie nicht: Die Salden fliessen in die Buchhaltung ein — bei der einfachen Variante in die Einnahmen-Ausgaben-Liste der Milchbüchleinrechnung, bei der doppelten aufs Konto 1000 Kasse.

Häufige Fehler

  • Negativer Kassensaldo. Immer ein Erfassungsfehler — meist wurde eine Einlage oder Einnahme vergessen. Sofort klären, nicht «glattbügeln».
  • Privatbezüge nicht erfassen. Nimmst du CHF 100 aus der Kasse fürs Mittagessen, ist das eine Privatentnahme und gehört ins Buch.
  • Sammelbuchungen ohne Detailbeleg. «Einnahmen Juli: CHF 8'000» genügt nicht — es braucht Tagesabschlüsse oder Einzelbelege (siehe Belege).
  • Nachträgliche Änderungen ohne Spur. Fehler werden storniert und neu gebucht, nicht überschrieben oder Zeilen gelöscht.
  • Kasse nie zählen. Ohne regelmässigen Kassensturz (mindestens monatlich, bei viel Barverkehr täglich) merkst du Differenzen erst, wenn sie gross sind.

Was das für dich bedeutet

Wenn Bargeld zu deinem Geschäftsmodell gehört, ist das Kassenbuch dein wichtigster Glaubwürdigkeitsnachweis gegenüber Steuerverwaltung und ESTV — und nebenbei dein Frühwarnsystem gegen Schwund. Starte mit der Vorlage oben, erfasse täglich und zähle regelmässig nach. Sobald die Buchhaltung wächst, lohnt sich ein Tool mit integriertem Kassenmodul, das Kassen-, Bank- und Rechnungsdaten zusammenführt — Empfehlungen findest du in der Bestenliste Buchhaltungssoftware für Freiberufler, das Gesamtbild im Ratgeber Buchhaltung in der Schweiz.

Häufige Fragen